ISPO 2017

Wir waren, wie besprochen, auf der ISPO 2017, eine der wichtigsten und größten Fachmessen für Sportartikel und Sportmode. Die Veranstaltung fand vom 5. bis 8. Februar in München statt.

Rekordzahlen

Die Zahlen der ISPO München 2017 sind beeindruckend: 2.732 Aussteller haben 85.000 Besuchern ihre Produkte präsentiert. Der Sportbekleidungs- und Sportausrüstungsmarkt erlebt eine Expansionsphase, sagte Klaus Dittrich, der Vorsitzende Geschäftsführer der Messe München. Welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit?

ISPO Award 2017

ISPO Munich 2017 Eco Achievement Nachhaltiger Sport

Fangen wir mit dem ISPO Award 2017 an. Dieses Jahr wurde der „Eco Responsibility Award“ in drei Kategorien vergeben:

1. Eco Achievement Accessories: In dieser Kategorie haben die Skiwachse NZero den Preis gewonnen. Es handelt sich um ein 100% umweltfreundliches Wachs, ohne Paraffin und ohne Erdölprodukte.

Nzero ist eine spanische Firma, von Guillem Capellades Puig gegründet. Er erzählte: „Ich war auf der Suche nach Wachsen, die aus natürlichen Materialien hergestellt sind, und fand keine. Daher habe ich mich entschieden, das Produkt selbst mit der Hilfe eines Chemiker Freundes herzustellen und zu patentieren“.

ISPO Munich 2017 Nzero umweltfreundliches Wachs Nachhaltiger Sport

Der Gründer von NZero: Guillem Capellades Puig

Jury-Statement zu den sustainable Waxes for Snow Sports von NZERO: „Diese Skiwachse auf Naturbasis bieten Skifahrern eine Alternative, den Öko-Footprint zu reduzieren und den Spaß am Skifahren in der Natur zu erhalten.“

Hier kann man diese Wachse direkt einkaufen.

ISPO Munich 2017 Eco Achievement Nzero umweltfreundliches Wachs Nachhaltiger Sport

Nzero Wachs

2.Eco Achievement Apparel: Die Deterra gepolsterte Windjacke von Tierra Products aus rein natürlichen Materialien, wurde mit dem Preis für nachhaltige Bekleidung ausgezeichnet.

Die Jury von Eco Achivement sagte: „Tierra benutzt ausschließlich nachwachsende Rohstoffe und vermeidet die Vermischung von Komponenten. Der Anorak im zeitlosen Look kann Konsumenten lange begleiten.“

ISPO Munich 2017 Eco Achievement Deterra gepolsterte Windjacke von Tierra Products Nachhaltiger Sport

Die Deterra gepolsterte Windjacke von Tierra Products

3. Eco Achievement Hardware: Gewonnen haben die Schneeschuhe Tankr von Fimbulvetr. Den Erfolg brachten eine hohe Leistungsfähigkeit, nachhaltige Materialien, eine lebenslange Garantie und ihre Reparaturmöglichkeit.

ISPO Munich 2017 Eco Achievement Schneeschuhe Tankr von Fimbulvetr Nachhaltiger Sport

Die Schneeschuhe Tankr von Fimbulvetr

 

Nennenswert  sind auch die Gold Winner Craddle Jacket von Ternua und der Kapuzenpulli Dive-Y von PYUA in der Kategorie Outdoor. Beide sind aus 100% recyceltem Polyester und PFC-frei.

Sie beweisen, dass auch aus recycelten Ausgangsmaterialien und ohne schädliche Chemikalien hochwertige Produkte geschaffen werden können.

ISPO Munich 2017 Craddle Jacket von Ternua und der Kapuzenpulli Dive-Y von PYUA 100% aus recyceltem Polyester und PFC-frei Nachhaltiger Sport

Craddle Jacket von Ternua und der Kapuzenpulli Dive-Y von PYUA

Interview mit VaudeISPO Munich 2017 Vaude Nachhaltiger Sport

Bereits im September 2013 haben wir einen Artikel mit dem Titel „Vaude als nachhaltiges Vorbild“ veröffentlicht. 80% der Bekleidungskollektion von Vaude trägt bereits das Green Shape Siegel, erzählte uns Benedikt Tröster, von der Presse und Öffentlichkeitsarbeit von Vaude.

„Nachhaltigkeit ist ein Lernprozess, es gibt immer neue Baustellen und neue Herausforderungen. In den letzten Jahren haben wir peu à peu jede einzelne Produktgruppe in Richtung ökologisch umgestellt. Bei den Rucksäcken sind wir bei weit über 50% und letztes Jahr haben wir die Umstellung bei den Zelten begonnen.“

Die aktuellen Lieferanten sind alle bluesign®-zertifiziert. Jetzt arbeitet Vaude daran, die gesamte Lieferkette transparent und nachhaltiger zu gestalten. Im Visier stehen nun die Materiallieferanten, also die Zulieferer der Zulieferer.

Interview mit La Sportiva

ISPO Munich 2017 La Sportiva Nachhaltiger Sport

La Sportiva ist ein italienisches Unternehmen mit dem Sitz in Ziano di Fiemme, (Trentino). Das Unternehmen hat die ISO 14001 Umweltzertifizierung erworben und Nachhaltigkeit steht ganz oben auf ihrer Agenda. Zwar wirbt La Sportiva nicht aktiv damit, aber sie sind davon überzeugt, dass mehr Aufmerksamkeit für Umwelt und Soziales heutzutage ein Imperativ ist. In der Anlage von Ziano di Fiemme in Trentino werden die Abgase die in die Umwelt gelangen durch einen Aktivkohlefilter minimiert. Etwa 60% der Produktionsabfälle werden wiederverwendet.

Luca Mich, Marketing- und Kommunikationkoordinator von La Sportiva erzählte uns, dass Schuhe im Vergleich zu sonstiger Sportbekleidung größere Schwierigkeiten im Hinblick auf die nachhaltige Zertifizierung der Lieferkette aufweisen. Das Problem liegt einfach daran, dass zurzeit zu wenige Lieferanten bluesign®-zertifiziert sind.

Zudem erklärte La Sportiva, dass der Händler das größte Hindernis in der Verbreitung dieser Art von Produkten sei. Normalerweise kosten die mit umweltfreundlichen Materialien hergestellten und Bluesign zertifizierten Produkte 10-20% mehr. So sei es auch 2009 bei den FC-Eco-Wanderschuhen gewesen, die circa 30 Euro mehr als die traditionellen Wanderschuhe kosteten. Das hätte 10 Euro mehr für den Händler bedeutet und so entschied er sich für die günstigere Variante.

Das Ziel von La Sportiva für die nächsten fünf Jahre ist eine 100% PFC-freie Kleidungskollektion.

 

Sport und Nachhaltigkeit: eine gemeinsame Zukunft?

Die Zahlen der nachhaltigen Sportartikel sind noch nicht überwältigend. Von 2732 Ausstellern besaßen nur 99 irgendeine Art von Nachhaltigkeitssiegel. Trotzdem ist eine Veränderung sichtbar. Es war bemerkenswert, wie viele von den zahlreichen Konferenzen zum Thema Sport und Nachhaltigkeit am ersten Tag stattfanden.

ISPO Munich 2017 Textrends Nachhaltiger Sport

ISPO München 2017 Textrends – „Who made my clothes?“

Tomas Vucurevic, Gründer von Braind, ein Unternehmen, das sich unter anderem mit Firmenbrandings im Bereich der Nachhaltigkeit beschäftigt, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Who made my clothes?„.

Tomas identifizierte die geringe Einheitlichkeit und Standardisierung des Konzepts der Nachhaltigkeit in dieser Branche als das größte Hindernis, welches es zu überwinden gilt. Es gibt zu viele Labels und zu viele unterschiedliche Verfahren, die die Unternehmen durchführen um ihre Produkte zu zertifizieren. Der Verbraucher ist verwirrt und daher skeptisch.

Vier Schritte, die die nachhaltige Mode benötigt:

  1. Eine stärkere Standardisierung
  2. Wettbewerbsfähige Preise und eine gröβere Verbreitung
  3. Von der Industrie angetriebenes Kundenengagement
  4. Anziehende Konzepte

ISPO Munich 2017 Konferenz Textrends Nachhaltiger Sport

 

 

 

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Fair Wear Foundation

Die Christliche Initiative Romero hat im Mai 2015 ein interessantes Faltblatt für SportlerInnen und Vereine mit dem Titel „Fit for Fair“ veröffentlicht. In diesem Faltblatt findet man konkrete Einkaufs-Tipps für faires Sportzeug, sowie vier empfehlenswerte Labels, die nach den drei Kriterien Ökologie, Soziales und Transparenz aufgeschlüsselt und bewertet werden. Ein von diesen Labels gehört zur „Fair Wear Foundation“ (FWF) und ich habe die interessanten Informationen darüber hier zusammengestellt:

„Die Sportmarken, egal wir teuer, sind nicht fairer als andere Modemarken. Fast überall dort, wo Sportartikel produziert werden, kommt es jeden Tag zu Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen. Die meisten Sportartikel werden in Asien produziert, aber Puma und Adidas lassen zum Beispiel auch in Mittelamerika für sich nähen. Sportmarken machen jährlich Millionengewinne, während die vorwiegend weiblichen NäherInnen unter den täglichen Bedingungen und dem enormen Arbeitsdruck in der Fabrik leiden. Gewerkschaftliche Organisierung wird im Keim erstickt. Die ArbeiterInnen schuften oft in erzwungenen Überstunden 7 Tage die Woche und können von ihrem Hungerlohn kaum leben.

fair-wear-foundation-logo

Die Fair Wear Foundation („Stiftung für faire Kleidung“) ist eine unabhängige Non-Profit Organisation, die mit Unternehmen und Herstellern zusammenarbeitet, um die Bedingungen für Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie zu verbessern. Durch die FWF wird eine Verbesserung der sozialen Bedingungen in den Nähfabriken sowie bei den Subunternehmen und Lieferanten angestrebt.

Die FWF ist eine sogennate Multi-Stakeholder-Initiative, sie hat eine dreigeteilte Organisationsstruktur. VertreterInnen der Wirtschaft, von Gewerkschaften und von NGOs entscheiden hier gleichberechtigt. Alle Akteure der Lieferkette sind (mit-) verantwortlich für die Bedingungen, unter denen ein Produkt hergestellt wurde. Entscheidend bei der Arbeit der Fair Wear Foundation ist, dass sie die gesamte Lieferkette der Konfektionierung in den Blick nimmt. Durch die Veröffentlichung umfangreicher Daten wird Transparenz erzielt“.

Auswahl an Marken in der Fair Wear Foundation:

Outdoor: Jack Wolfskin, Dynafit, Odlo, Mammut, PYUA, Maier Sports, Mountain Force, Salewa, Vaude.

Sportschuhe: Goliath Sportswear.

Sport: Rono, Vivanda, Scheeld, Gonso, A-Code, HessNatur, Cruiff Sports.

QUELLE

Vaude als nachhaltiges Vorbild

Im November 2011 wurden der Deutsche Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf vergeben. Bei der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie“ (KMU) wurde für den dritten Platz als Beste Outdoor-Firma Vaude prämiert. Dieses deutsche Familienunternehmen mit Sitz am Bodensee, wurde für seine Nachhaltigkeitsbemühungen belohnt.

Auberdem informiert Rank a Brand, eine Webseite, die die Nachhaltigkeit von Unternehmen vergleicht, dass Vaude den ersten Platz in der Outdoorbranche besetzt. Sogar vor der amerikanischen Firma Patagonia, die die letzten Jahre mit auffälligen Werbungkampagnen ein Vorbild für Nachhaltigkeit war. Die Patagonia-Kampagne „Dont buy this jacket“, in der sie Ihre Kunden gebeten haben, nur eine Jacke zu kaufen, wenn sie sie wirklich brauchen, war sehr bekannt.

Die Frage ist, welches Vorgehen hat Vaude zum Marktführer in Sachen Nachhaltigkeit gemacht ?

Vaude

SOZIALE VERANTWORTUNG

Seit 2010 ist Vaude Mitglied der Fair Wear Foundation, eine Stiftung, die sich für die Verbesserung der Arbeitbedingungen weltweit engagiert. Diese Stiftung überprüft regelmäßig und unabhängig ihre Mitglieder.

Die Clean Clothes Campagne bewertet Vaude 2012 mit „Fortgeschritten“. Dabei überprüfen Sie die Transparenz, Verhaltenskodizes, Maßnahmen zur Kodexumsetzung und Kontrollen von sozialen Mindeststandards in den Fabriken.

UMWELT

Vaude kompensiert derzeit durch „Myclimate Gold Standard Klimaschutzprojekte“ seine Treibhausgas-Emissionen von dem Standort in Obereisenbach, aber sie kompensieren leider noch nicht die Emissionen der Produktionsstandorte (China, Vietnam, usw.)

Vaude bietet umweltfreundliche Produkte in der Kollektion „Green Shape“, die aus nachhaltigen Materialien entweder Biobaumwolle oder recycelten Stoffen sind. Das Bluesign© Siegel, mit den strengsten Umweltstandards für Textilprodukte, zertifiziert die meisten Produkte dieser Green Shape Bekleidungskollektion und insgesamt 35% aller Vaude Produkte. Greenpeace kritisiert dieses Siegel, weil die mit Fluor beschichteten Produkte „trotz der bekannten Risiken für die Umwelt, mit dem Bluesign-Standard ausgelobt werden können“.

Im Jahr 2008 hat Vaude als erstes Unternehmen der Outdoor-Branche ein Umweltmanagementsystem mit EMAS- und ISO14001-Zertifizierung eingeführt. Der „World Wide Fund for Nature“ (WWF) ist Umweltpartner von Vaude, deswegen werden 1% des Gewinns der „Green Shape“ Produkte an diese Naturschutzorganisation gespendet.

NOCH EIN LANGER WEG

Die schwerwiegenste Kritik, die wir an Vaude üben können, auch gültig für die restliche Outdoor Textilmarken, bezieht sich auf die Nutzung von Polyfluorierten Chemikalien (PFC) in der Produktion. Diese kommen hauptsächlich in die Umwelt durch verschmutztes Wasser aus den Fabriken. Diese PFC Chemikalien sind nach Angaben des Umweltbundesamtes in der Natur kaum oder nicht abbaubar und heutzutage findet man sie schon überall: im Wasser, im arktischen Polareis und sogar im menschlichen Blut.

Im Oktober 2012 veröffentlichte Greenpeace einen Bericht mit dem Titel „Chemie für jedes Wetter“, wo nachgewiesen wurde, dass derzeit die meisten Outdoor-Firmen diese umweltschädlichen Chemikalien auf Grund ihrer wasserabstoßenden Eigenschaft benutzen. Greenpeace untersuchte 14 Outdoor- Kleidungstücke der Marktführer der Branche (Vaude, North Face, Jack Wolfskin, Marmot, Patagonia, usw.) und in allen Produkten wurde PFC in der Membran oder der Beschichtung gefunden. Laut diesem Bericht, gibt es schon heute umweltfreundlichere Alternativen zur Fluorcarbon-Ausrüstung, wie beispielsweise Membrane aus Polyester (z.B. Sympatex) und PFC-freiem „Durable Water Repelents“ (z.B. von Nikwax).

Die gute Nachricht ist, dass Vaude bereits aussließlich diese fluorfreien Polyestermembrane für Ihre Produkte benutzt. Darüber hinaus haben sie informiert, dass sie das Ziel haben, in Zukunft PFC-frei Beschichtungen zu bieten. Dafür müssen sie neue PFC-freie wasserabweisende Beschichtungen entwickeln.

Etiqueta Vaude

FAZIT

Vaude setzt sich vorbildlich für Nachhaltigkeit in der Outdoor-Sportbekleidungsindustrie mit wirksamen und konkreten Aktionen ein und nicht nur mit Greenwasching-Werbung. Dennoch gibt es immer noch viel zu tun, insbesondere beim Umweltschutz (z.B. ganz PFC-freie Artikel produzieren) und beim Erhöhen der Arbeitstandards in ihren ausländischen Fabriken, wie z. B in China und Vietnam. Laut dem Bericht 2013 von der Fair Wear Foundation: bessere Löhne, keine regelmässigen Überstunden und usw.

Wir haben als Verbraucher eine eigene Verantwortung. Wir brauchen keine Arktisexpeditions-Jacke, wenn wir diese nur für einen Herbstspaziergang benutzen werden. Jedes Mal wenn wir einen Outdoor-Artikel kaufen, unterstützen wir eine bestimmte Unternehmenspolitik. Daher müssen wir uns informieren um zu wissen, welche Outdoor-Unternehmen sich für einen nachhaltigen Sport einsetzen. Vaude ist eines davon.

Vaude Nachhaltigkeitsbericht 2013