Sport und Umwelt

Skisport zwischen Opferrolle und Übeltäter

Ich liebe Ski fahren und fahre bereits Ski seit dem ich klein bin. In Bezug auf Nachhaltigkeit wird Skifahren oft als Klimasünder deklariert und unterschwellig behauptet, dass Nachhaltigkeit nur geht, wenn wir kein Ski mehr fahren. Doch geht es wirklich darum, einen Schuldigen zu finden? Geht es wirklich darum, ganze Sportarten zu verbieten? Geht es wirklich darum, dass wir unserem Hobby nicht mehr nach gehen können?

Bei Nachhaltigkeit geht es genau darum nicht!

– Es geht darum, dass wir uns unseren Luxus bewusst werden. Den Luxus, dass wir Ski fahren können und Techniken entwickelt haben, die uns das Ski fahren an vielen Orten und mit vielen anderen Menschen ermöglichen.

– Es geht darum, die Sportart auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Das Ausüben der Sportart darf keine Ausmaße annehmen, sodass wir diese kaputt machen und unsere Kinder und Enkel nicht mal mehr in den Genuss kommen, ihn auszuprobieren.

– Es geht darum, unser Hobby im Einklang mit der Natur durchzuführen, so dass niemand zu Schaden kommt und wir respektvoll miteinander umgehen (auch im Bezug auf die Umwelt und die Tiere).

Ich bin niemand, der gerne belehrend auftritt und pauschalisiert. Ich gehe lieber mit Motivation und Ehrgeiz voran und erkläre gerne meine Ansichten, um etwas zu verändern, zu bewegen und so den Sport und die Umwelt zu schützen. Das, was ich so sehr liebe!

Nachhaltigkeit darf aus meinen Augen Spaß machen und bietet durch viel Aufklärung und Vorbildfunktion eine Kraft, die ganze Generationen bewegen kann, wessen Kraft sich einige wenige bewusst sind, andere noch (!) nicht und einzelne werden es nie verstehen. Trotzdem erschüttern mich Aspekte, die ich im Nachgang ansprechen werde und bei denen ich an der ein oder anderen Stelle verallgemeinern muss, um schlussendlich mehr Nachhaltigkeit zu fordern! Nichtsdestotrotz sehe ich sogar einen Punkt, bei dem ein Umdenken bereits stattgefunden hat, Veränderung umgesetzt wird (leider nur aufgrund von Corona – aber immerhin) und unbedingt beizubehalten ist. Auch diese positive Entwicklung findet hier Platz.

1. Profis fahren bereits im Oktober die ersten Weltcups, weil die Skiindustrie den/die Otto-Normalverbraucher:in anregen will, den neusten Ski, die neuste Technik und die neuesten Trends bei der Bekleidung zu konsumieren. Der Profisport ist wiederum abhängig von der Industrie, die als Sponsor auftritt oder als Ausstatter die Sportler:innen und Verbände unterstützt.
Ich sehe hier eine Kommerzialisierung zu Ungunsten der Natur, die ich anprangere. Das Engagement der Industrie im Spitzensport ist notwendig, damit die Weltcups ausgetragen werden können und die Sportler:innen eine Bühne bekommen, um Geld zu verdienen. Der Weg der Kommerzialisierung hat alle Sportarten erreicht und das ist mittlerweile üblich, dennoch gebe ich zu Bedenken, dass es irgendwann nicht immer weiter nach dem Motto „höher, schneller, weiter“ gehen sollte und darf.
Zudem erkenne ich hierin das Anregen des Massenkonsums und die Förderung der Wegwerfgesellschaft zu Ungunsten der Natur, die ich ebenfalls anprangere. Muss es für den normalen Breitensportler:in jedes Jahr das schnellste paar Ski, die neueste Brille und die schickste Jacke sein? Ich sage ganz klar: Nein! Gibt es hier nicht die Möglichkeit, dort hinzu kommen, dass funktionstüchtige Skier weitergegeben werden und man denselben Spaß empfindet?! Denn geht es uns allen, die wir in unserer Freizeit Ski fahren, nicht darum, einfach Spaß zu haben und unser Hobby auszuüben? Um unseren Sport umweltfreundlicher und zukunftsfähig zu gestalten, lohnt es sich, sich bewusst von dem Massenkonsum zu befreien und die Skier vom Vorjahr aus dem Keller zu holen. Ich tue es!

2. Wenn ein Präsident eines internationalen Verbandes 2019 den Klimawandel klein redet, um eine ganze Branche zu beruhigen und zu beschwichtigen, anstatt das Problem anzunehmen und gemeinsam mit der ganzen Industrie eine Lösung zu finden, finde ich das bedenklich. Zumal er dies wohl gemacht hat, um seine Unternehmensbeteiligungen (z.B. an Betreibergesellschaften von Skiliften in den Alpen) weiterhin auf Profit-Kurs zu halten. Wiedermal und verständlicherweise sind es die Athlet:innen, die sich anschließend offen zu Wort melden und sich explizit für den Klimaschutz und für mehr Nachhaltigkeit einsetzen! Sie widersprechen den Aussagen ihres eigenen Präsidenten, denn sie sind schlussendlich diejenigen, die auf den Brettern stehen und Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr sehen, was der Mensch mit der Natur gemacht hat. Sie lieben ihren Sport auch und gerade deswegen wollen sie ihn schützen, indem sie ihren Sport in Einklang mit der Natur bringen wollen. Ski fahren ist als saisonabhängige Outdoorsportart so stark verknüpft mit dem Winter und dem Schnee, dass es meiner Meinung nach einer Straftat ähnelt, zu leugnen, dass wir keine Herausforderungen haben, jedes Jahr genügend Schnee in allen Regionen zur Verfügung zu haben.
Für mich zeigt sich, dass Athlet:innen (noch mehr) Mitspracherecht brauchen und sie manchmal näher an der Gesellschaft und den zeitgemäßen Notwendigkeiten sind als veraltete Verbandspräsidenten und einen besseren Blick für die Zukunft haben.
Die jungen Generationen sind nicht interessiert an eurem maximalen Profit, sie stellen viel bewusster die Sache in den Vordergrund. Wir interessieren uns für Sport, Natur und Wohlbefinden aller und erst dann ist für uns spannend, wieviel Profit sich generieren lässt.

Skisport

Zum Schluss möchte ich noch eine positive Veränderung ansprechen, an der wir dringend festhalten müssen/dürfen/sollten!

3. Die Skisaison der Profis 2019/2020 war geprägt von Reisen durch die ganze Welt. Jede Woche ein anderer Ort, meist noch ein anderes Land oder sogar ein anderer Kontinent. Und nicht nur die Sportler:innen sind um die Welt gereist, sondern zusätzlich alles was am Skizirkus dranhängt: TV und weitere Medien, Sponsoren, Dienstleister, Betreuer:innen, Trainer:innen und weiteres Staff, Offizielle, Fans und Familien. Dies bedeutete neben dem eigentlichen Sporttreiben eine zusätzliche Belastung der Umwelt und Nerven der Beteiligten, nur um jedem Ort rund um den Globus die gerechtfertigte Aufmerksamkeit zu schenken und damit für mehr Profit zu sorgen. Ich brauche niemandem erklären, dass der Transport der Menschen und deren Gepäck mit dem Flugzeug vonstatten ging und dies deutlich negativ zur Umweltbilanz des Profi-Skisports beiträgt. Außerdem finde ich es beängstigend, dass es dafür sorgt, dass auch die Breitensportler:innen dies als Vorbild nahmen, nicht auf dem nahegelegenen Berg Ski zu fahren, sondern es als Lifestyle und Must-Have betrachten, überall auf der Welt und an den hippsten Hotspots Ski zu fahren.
Einschränkungen im Sinne der Nachhaltigkeit bedeutet den Wettkampfkalender zu verändern, so dass Orte sinnvoll nach und nach angefahren werden und kein Zick-Zack entsteht. Es bedeutet, dass eine Reduzierung der Orte vorgenommen wird, um auch den Sportler:innen mehr Zeit an einen Ort zu gönnen, um die Regeneration und das Wohlbefinden zu fördern. Letztlich geht es um eine Herausnahme der Politik aus der Vergabe der Wettkampforte und eine Vergabe nach nachhaltigen Gesichtspunkten. Eine Reduzierung auf das Wesentliche ermöglicht uns mehr Fokus und ein Aufatmen jeder Person und der Natur.
In der aktuellen Saison ist diese Maßnahme wunderbar bei den Biathlet:innen zu sehen, die zeigen, dass der Schnee (ob Natur oder künstlich hergestellt) einfach effizienter eingesetzt wird, wenn wir ihn öfter nutzen. Doppelte Nutzung über doppelte Herstellung und Präparierung setzen, liebe Skifreund:innen!

Am Ende will ich einfach nur, dass der wunderbare Sport nicht ausstirbt und für uns alle zugänglich bleibt. Denn wenn wir eine immer größere Verknappung von Orten haben, wo wir unser Hobby ausführen können, führt das dazu, dass nur noch wenige sich den Sport leisten können und Zugang zu diesem haben. Das gilt es schon allein im Bezug auf die soziale Nachhaltigkeit um jeden Preis zu vermeiden. Die Notwendigkeit der ökologischen Nachhaltigkeit kennen wir alle!

Und noch eins liebe Verbandspräsidenten: wollt ihr, dass es wieder mehr Talente im Ski-Sport gibt? Dann muss der Einstieg zu diesem wunderschönen Sport allen zugänglich bleiben und an vielen Orten ausführbar sein.

Vanessa Nord

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