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Leichtathletik-EM Berlin 2018: Fehlstart!

Leichtathletik-EM Berlin 2018 nachhaltiger sport

„Wir sollten uns bei allen Europa- und Weltmeisterschaften nicht nur als gastfreundliches und sportbegeistertes Land zeigen, das perfekt organisieren kann. Wir sollten auch beim Umweltschutz vorbildlich sein“         

Roland Baar (Bronze-Medaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen 1992 und Silber-Medaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen 1996 im Ruder Achter. Quelle: „Green Champions für Sport und Umwelt“, BMU und DOSB 2007)

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Im Jahr 2014 wurde die Leichtathletik-EM in der Schweiz organisiert. Das Organisationsteam von Zürich hatte damals ein Nachhaltigkeitskonzept mit verschiedenen Maßnahmen umgesetzt und wurde wegen ihres Engagements mit dem „Green Inspiration Label“ ausgezeichnet.

Auch die Weltklasse Zürich, die als bestes Leichtathletik-Meeting der Welt angesehen wird, hat ein Nachhaltigkeitskonzept und wird bereits seit 2009 klimaneutral durchgeführt. Das bedeutet, dass sämtliche unvermeidbaren CO2-Emmissionen, welche durch die Veranstaltung anfallen, in einem myclimate-Klimaschutzprojekt kompensiert werden.

Photo by Nicolas Hoizey on Unsplash

Daneben wird im Jahr 2018 die Leichtathletik-EM in Berlin organisiert, aber von einem Nachhaltigkeitskonzept fehlt leider jede Spur. Es ist wirklich schade, dass der Deutsche Leichtathletikverband, der sonst so gute Veranstaltungen organisiert, das scheinbar vernachlässigt hat.

Im Bereich Sport, genauer gesagt bei der Organisation von Großsportveranstaltungen, planen viele Veranstalter immer noch ohne dabei moderne Umwelt- und Sozialstandards zu berücksichtigen. Viele rechtfertigen sich damit, dass diese Standards höhere Kosten verursachen würden. Aber wie hoch sind die Kosten für Umwelt und Gesellschaft, wenn wir keine nachhaltigen Management- und Sportveranstaltungskonzepte haben?

Auf freiwilliger Basis organisieren leider die Wenigsten nachhaltig. Aber was wäre, wenn Sportverbände ein Minimum an Sozial- und Umweltstandards für die Veranstalter verpflichtend vorgeben würden?

In Frankreich, zum Beispiel, hat seit Januar 2017 das Sportministerium in Kooperation mit dem WWF „La charta des 15 engagements éco-responsables des évenements sportifs“ mit Erfolg ins Leben gerufen. Durch den Beitritt verpflichten sich die größten Sportveranstalter Frankreichs wie die Tour de France, der Paris Marathon, der Ultra Trail du Mont Blanc und uvm. zu 15 konkreten Öko- und Sozialmaßnahmen.

Auch die Städte, die oft mit Steuergeldern große Sportveranstaltungen bezuschussen: Sollten sie nicht mehr konkrete soziale und ökologische Maßnahmen von den Sportorganisatoren verlangen? Letztendlich geht es um die Frage: Sollen wir mit gutem Beispiel voranschreiten oder besser alles beim Alten belassen?

 

Leichtathletik-EM Berlin 2018 Nachhaltiger Sport
Olympiastadion Berlin. Photo credit: Antonio de la Mano Olympiastadion via photopin (license)

 Warum sollte das Organisationsteam von Berlin 2018 ein Nachhaltigkeits-Konzept haben und nachhaltig handeln?

Hier sind meine Gründe:

  • Weil die Klimaziele von Paris uns alle verpflichten, einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten.
  • Weil Nachhaltigkeit in der Agenda 2020 des Olympisches Komitees ein Schwerpunkte ist, und die Leichtathletik als „Olympische Sport Nummer 1“ gilt.
  • Weil sich der DOSB (Deutsche Olympische Sportbund) in seiner „Strategie 2028“ „zum Leitbild der Nachhaltigkeit“ bekennt.
  • Weil sich die Stadt Berlin mit 17 Millionen Euro an der EM-Finanzierung beteiligt.
  • Weil der Sport derzeit in einer tiefen Image-Krise steckt: Korruptionsskandale, Doping-Fälle, Bestechung bei der Vergabe von Austragungsorten, usw. und es an verantwortungsvollem Handeln gerade mangelt.
  • Weil Sportverbände, Sportveranstalter, Sportler und Fans mithelfen sollten, die Sustainable Development Goals -kurz „SDGs“ – der Vereinten Nationen im Jahr 2030 zu erreichen.
  • Weil Sozial- und Umweltaspekte für „moderne“ Sportveranstalter unerlässlich sind.

 

Derzeit sehen wir einen fundamentalen Wandel im Sport, in dem Nachhaltigkeit vom „Nice-to-have“ zum „Must-have“ wird. Einige Sportveranstalter haben das verstanden und sind deswegen Vorreiter in diesem Feld geworden. Bei anderen ist dieser Zug bereits abgefahren, sie möchten lieber in der Vergangenheit bleiben. Der Klimawandel rückt Nachhaltigkeit immer weiter ins Blickfeld. Das erfordert von uns, dass wir handeln.

Wie siehst du das?

Danke für deine Kommentare.

 

 

2 Gedanken zu „Leichtathletik-EM Berlin 2018: Fehlstart!

    1. Hallo Nils! Vielen Dank für deinen Kommentar. Was ich mit diesem Blogbeitrag anprangern möchte ist, dass das Organisationsteam von Berlin 2018 keine bzw. keine veröffentlichte Nachhaltigkeits-Strategie hat. Die Webseite auf die du verwiesen hast, zeigt eine Bildungsinitiative im Rahmen der Leichtathletik-EM über die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Deswegen wird sie von „“Engagement Global“ gefördert. Was aber notwendig wäre, ist ein Gesamtkonzept für die Leichathletik-EM in den Bereichen Transport, Catering (nicht nur für Kaffee und Tee), Merchandising, Abfallmanagement, Energie/Klimaschutz, usw. Dazu gehört, dass alle Aspekte der Sportveranstaltung im Lichte der Nachhaltigkeit geprüft werden. Wir kritisieren gerne andere Länder, weil sie die Sportveranstaltungen nicht nachhaltig konzipieren, selber sind wir aber kein Vorbild. Bei der Leichtathletik EM von Zürich im Jahr 2014 war dieses Gesamtkonzept vorhanden. Ein Beispiel: Damals konnte man, um Emissionen zu reduzieren, mit einer EM-Eintrittskarte kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. In Berlin sind wir dieses Jahr leider weit weg von ähnlichen Maßnahmen…

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